Festvortrag von Klaus Klemm (Präsidium)

Jubiläumsrede von Klaus Klemm, Co-Vorsitzenden des Präsidiums des vkm Bayern, zum 70jährigem Jubiläum am 02.10.2025 in der Gustav-Adolf-Kirche in Nürnberg

Sehr geehrte Frau Synodalpräsidentin,
sehr geehrter Herr Landesbischof,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Gäste,

der Verband kirchlicher und diakonischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bayern feiert heute tatsächlich schon sein 70-jähriges Bestehen. Im Oktober 1953 gegründet, im März 1955 beim Amtsgericht Nürnberg eingetragen – und bis heute lebendig und wirksam.

Vor über 70 Jahren, in einer Zeit großer Umbrüche, hatten engagierte Frauen und Männer den Mut und die Weitsicht, unseren Verband ins Leben zu rufen. Ihr Ziel war eindeutig: Die Interessen der Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie zu vertreten, ihre Rechte zu stärken und ihre Stimme hörbar zu machen. Seit sieben Jahrzehnten engagieren sich Menschen für ihre Kolleginnen und Kollegen – damit Dienstgemeinschaft gelingt und Gerechtigkeit nicht nur ein Wort bleibt.

Unser Verband hat in dieser Zeit viel erreicht und wichtige Wegmarken gesetzt. Wir haben uns in arbeitsrechtlichen Fragen Gehör verschafft, wir haben den Dritten Weg mitgestaltet und immer wieder gezeigt: Es lohnt sich – auch für die Dienstgeber – gemeinsam für Mitbestimmung und gute Arbeitsbedingungen einzutreten.

Der vkm-Bayern ist kein 70-Jähriger im Ruhesessel, sondern ein Verband, der sich stets weiterentwickelt. Unsere Geschäftsstelle, der hauptamtliche Geschäftsführer, die Fachgruppen, der Ausbau und die Professionalisierung von Öffentlichkeitsarbeit und Rechtsberatung, ein beeindruckender Seminarbetrieb, der seinesgleichen in Deutschland sucht, die Umstrukturierung vom Vorstand hin zu Verbandsrat und Präsidium – all das zeigt: Wir sind stets bereit, unsere Arbeitsweisen anzupassen und neue Wege zu gehen.

So ist unser Verband auch nach sieben Jahrzehnten lebendig wie eh und je – Ansprechpartner, Interessenvertretung und Gemeinschaft zugleich. Viele der Errungenschaften, die heute selbstverständlich erscheinen, gäbe es ohne den vkm-Bayern nicht.

Unsere Mitarbeit in Gremien und Arbeitskreisen – insbesondere in der Arbeitsrechtlichen Kommission Bayern –, unser Engagement auf EKD-Ebene im und zusammen mit unserem Dachverband, dem vkm-D, und unser Einsatz in der Evangelischen Zusatzversorgungskasse sorgen dafür, dass die Perspektive der Mitarbeitenden gehört und ernst genommen wird.

Wir sind ein verlässlicher Partner – innovativ, konstruktiv und präsent.

In der Debatte um die Zukunft des kirchlichen Arbeitsrechts ist es ruhiger geworden. Das ist meinen Augen gut so. Die neue Bundesregierung hat andere, wichtigere Themen – und vielleicht hat man bei den vielen Gesprächen in den letzten beiden Jahren auch erkannt, dass das kirchliche Arbeitsrecht richtig gut funktioniert. Wo sonst gibt es nahezu vollständige Tarifbindung und umfassende Mitbestimmung?

Wir als vkm-Bayern stehen für den Dritten Weg der Arbeitsrechtssetzung. Eine paritätisch besetzte Kommission, die mit Zwei-Drittel-Mehrheit entscheidet – und im Zweifel eine verbindliche Schlichtung nutzt – das ist der richtige Weg für Kirche und Diakonie. Und genau so arbeitet unsere ARK in Bayern. In der langen Geschichte der ARK-Bayern gab es lediglich ein einziges Mal – und zwar in Sachen Altersteilzeit – eine Schlichtung.

Wir setzen uns ein für eine eigenständige ARK in Bayern – nicht für eine zentrale Lösung auf Bundesebene. Bewährte Strukturen sollte man nicht leichtfertig über Bord werfen. Experimente bei der Arbeitsrechtssetzung darf es nicht geben!

70 Jahre vkm-Bayern – das ist vor allem ein Gemeinschaftswerk. Ich danke allen, die unseren Verband geprägt haben: den Gründerinnen und Gründern ebenso wie den vielen Ehren- und Hauptamtlichen, die seither Verantwortung übernommen haben. In der Vorbereitung für diesen Tag dachte ich besonders an unsere beiden zuletzt verstorbenen Vorsitzenden Willi Leidel und Günter Popp, die meine Mitarbeit und mein Engagement in unterschiedlicher Weise geprägt haben. Ich bin Ihnen dafür sehr dankbar.

Unverzichtbar für den vkm-Bayern sind all die Menschen, die im Verbandsrat, in Fachgruppen, in der Arbeitsrechtlichen Kommission, in Ausschüssen und Arbeitskreisen, im vkm-D und in der ARK der Diakonie Deutschland oder in Gremien der EZVK mitarbeiten, die Seminare leiten und Kolleginnen und Kollegen beraten. Ohne euch gäbe es den vkm-Bayern so nicht. Euch allen gilt daher ebenfalls mein ausdrücklicher Dank!

An einem Jubiläumstag dürfen wir aber auch die Realität nicht romantisieren. Kirche und Diakonie stehen vor großen Herausforderungen: finanzielle Engpässe, struktureller Wandel, Fachkräftemangel und steigende Anforderungen. Umso wichtiger ist, dass die Stimme der Mitarbeitenden laut und klar bleibt. Ohne faire Bezahlung, ohne respektvolle Arbeitsbedingungen, ohne Wertschätzung gibt es keine gute Zukunft – weder für Diakonie noch für Kirche.

Bei allen Veränderungen darf die Mitbestimmung nicht unter die Räder kommen. Sie ist verbindlich. Auch eine mögliche Neuorganisation der MAVen muss bei Zusammenschlüssen rechtzeitig bedacht werden. Und wir als vkm-Bayern, die Kirchengewerkschaft in Bayern, erwarten, bei grundlegenden Entwicklungen ebenfalls frühzeitig eingebunden zu werden. Wichtig wäre es in meinen Augen auch, wenn der „Runde Tisch der Berufsgruppen“ weitergeführt und mit Leben erfüllt werden würde. Nur gemeinsam, als Dienstgemeinschaft, können die Herausforderungen bewältigt werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Gäste,

70 Jahre vkm-Bayern – das ist mehr als eine Zahl. Es ist Ausdruck von Beharrlichkeit, Engagement und Gemeinschaft. Wir dürfen stolz sein auf das Erreichte. Oder, wie man heute sagt: Wir liefern seit 70 Jahren ab.

Damit dies auch noch viele Jahre der Fall ist, brauchen wir junge Kolleginnen und Kollegen – auch aus dem Leitungsbereich -, die sich aktiv beim vkm-Bayern einbringen, Arbeitsrecht und Dienstgemeinschaft mitgestalten.

Und: Wir müssen unsere Mitgliederbasis weiter stärken. Denn nur ein starker Verband kann stark und wirkungsvoll die Mitarbeitenden bei Kirche und Diakonie vertreten.

Wenn wir zusammenstehen und tun, was uns seit sieben Jahrzehnten trägt: solidarisch handeln, Verantwortung übernehmen und den Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie eine starke Stimme geben, dann können wir als vkm-Bayern weiterhin zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Herzlichen Dank für Ihre/eure Aufmerksamkeit.

Klaus Klemm, Co-Vorsitzender des Präsidiums des vkm-Bayern

Rückblick auf 70 Jahre vkm-Bayern

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