Stellungnahme an Staatsministerin Frau Carolina Trautner

Augsburg, 15.02.2022

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Trautner,

in drei Newslettern in sieben Tagen wurde uns zu Monatsbeginn auf das Genaueste erklärt, wie sich die Staatsregierung den Umgang mit den exponentiell steigenden Infektionszahlen unter den Kindern in den Kitas vorstellt.
Eine Durchseuchung der Kinder und der Menschen, die sie betreuen, ist faktisch beschlossene Sache – in der Hoffnung, dass die Infektionsverläufe weiterhin eher „mild“ bleiben und sich das Long COVID Risiko bei Kindern als nicht relevant erweist. Dass wir uns und unsere Familien nicht schützen können, nehmen Sie dabei billigend in Kauf.

Dennoch werden wir auf 11 Seiten darüber informiert, was wir künftig zu tun haben:

  • Eltern tagesaktuell über Infektionsfälle informieren

  • reguläre Berechtigungsscheine für Tests ausgeben und den Rücklauf kontrollieren

  • bei einem positiven Fall in einer Gruppe ein intensiviertes Testverfahren für fünf Tage anordnen, den Eltern kommunizieren und überprüfen

  • im Auge haben, welches Kind welcher Gruppe wie häufig Anrecht auf „gesonderte Berechtigungsscheine“ hat, die natürlich mit einem anderen Formular zu beziehen sind und nur für zwei Tests gelten

  • bei jedem neuen Fall (also derzeit faktisch täglich) wieder ein intensiviertes Testverfahren starten und dabei im Blick haben, auf wie viele zusätzliche Tests die Eltern denn nun genau Anspruch haben

  • ermitteln, wann 20% der Kinder einer Gruppe erkrankt sind in einem Zeitraum von fünf Tagen (abrunden nicht vergessen und daran denken, dass die Tage immer wieder von vorne beginnen)

  • ach ja, und für Schulkinder, die ansonsten ja keinen Anspruch auf Berechtigungsscheine haben, stellen wir im intensivierten Testverfahren die Tests nochmal gesondert

  • wenn die 20% dann erreicht sind, Gruppen schließen – aber erst für den nächsten Tag, denn so dringend ist es dann doch nicht

Und so weiter.

Dazu arbeiten wir in getrennten Gruppen aber regulären Öffnungszeiten bei möglichst niedriger Personaldurchmischung und hohem Krankenstand. Wir erklären den Eltern ständig neue Regelungen, nehmen ihre Fragen und Sorgen auf, dokumentieren und erledigen ganz nebenbei auch noch unsere eigentliche Aufgabe, die uns anvertrauten Kinder zu betreuen und zu bilden.

Wir können nicht mehr! Wir und mit uns das System Kindertagesbetreuung stehen vor dem Kollaps. Alle Kitas sollen geöffnet bleiben – um jeden Preis! Der Preis ist unsere Gesundheit!!


Bald schließen wir nicht mehr wegen Corona, sondern wegen fehlender Personalkapazitäten, weil die Mitarbeitenden krank sind, keine Kraft mehr haben oder überfordert sind bei diesem Dokumentendschungel.

Wir fordern:

  • Vereinfachung der Teststrategie: jeder testet sich täglich– Mitarbeitende und Kinder

  • Ausgabe der Tests in der Kita – keine Scheine, keine Dokumentation. Wer morgens kommt, nimmt beim Heimgehen einen neuen Test mit!

  • bei Personalausfall: Einschränkungen des Betriebes unter klar formulierten Bedingungen

  • Achtsamer Umgang mit den vorhandenen Personalressouren

  • Schutz des KiTa-Personals und der Kinder vor einer weiteren Durchseuchung

  • Vorausblickende Strategien für den Sommer und Herbst/Winter 2022 unter Einbeziehung von Menschen, die tagtäglich an der Basis arbeiten.

Mit freundlichen Grüßen
für die e+s Fachgruppe
Nina Hauenstein

Der Beitrag als PDF.
Stellungnahme Coronakrise an Staatsministerin Trautner Feb 2022

 

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