Infektionsschutz in Kitas – ein Schlag ins Gesicht!

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Trautner,
sehr geehrte Mitglieder des Sozialausschusses des Bayerischen Landtages,

mit fassungslosem Entsetzen haben wir den aktuellen Newsletter aus Ihrem Haus gelesen, der ankündigt, die Kitas nach den Pfingstferien auch für die “mittleren” Kinder und die älteren Krippenkinder ohne weitere Einschränkungen wieder zu öffnen. Damit beenden Sie faktisch den Corona-Infektionsschutz in der Kita!

Natürlich: Eltern müssen arbeiten gehen können, Kinder sollen ihren gewohnten Rahmen wiederbekommen. Dafür haben wir mehr als Verständnis.

Aber es drängt sich uns der Eindruck auf, dass die Umsetzung dieser Bedürfnisse einem Feldversuch gleicht, bei dem eigentlich klar sein muss, dass ausreichender Infektionsschutz für Kinder, Familien und Beschäftigte so nicht mehr gewährleistet werden kann!!

Wenn ab Montag die Vorschul- und Geschwisterkinder wiederkommen, betreuen wir ca. 60% der Kiga-Kinder. Mit der nächsten Öffnung werden es dann mindestens 80% sein. Das heißt:

  • Wir haben mit gut 20 Kindern pro Gruppe nahezu die volle Gruppenstärke!
  • Abstandsregeln und Mundschutz sind nicht gewünscht und auch nichtumsetzbar!
  • Das komplette Personal – auch Angehörige von Risikogruppen – wird in der Betreuung eingesetzt werden müssen, um eine verantwortliche Betreuung gewährleisten zu können und die zusätzlichen Hygieneanforderungen zu bewältigen!

Ohne Personalmischung in den Rand- und Pausenzeiten lassen sich die langen Tagesöffnungszeiten von bis zu 11 Stunden bei einem gleichzeitig hohen Anteil an Teilzeitkräften nicht abdecken! Im Einzelhandel bedient uns die Verkäuferin hinter Plexiglas, mit 1,5 Metern Abstand und Mundschutz bei allen Anwesenden. In der Schule werden Kinder im wöchentlichen Wechsel unterrichtet, damit Klassen nicht zu groß sind und Abstände eingehalten werden können. Kultusminister Prof. Dr. Piazolo zufolge müssten Eltern dafür Verständnis haben, dass Unterricht nur in reduziertem Umfang stattfinden kann, da der Infektionsschutz die oberste Richtschnur darstelle und z.B. Ange- hörige von Risikogruppen gegebenenfalls nicht unterrichten würden. Und in den Kitas sind diese Schutzmaßnahmen nicht erforderlich?! “Die (…) Größe der Gruppe ist nicht entscheidend” und “Die Betreuung der Kinder erfolgt grundsätzlich in den regulären, jeweiligen Betreuungszeiten” – lesen wir dazu im Newsletter 342. Ja, was denn nun? Warum gibt es in den Kitas z.B. keinen Wechsel von Home-Kita und Präsenz, um die Gruppen kleiner und konstant zu halten? Warum werden Tagesöffnungszeiten nicht reduziert, um eine Personalkonstanz zu ermöglichen? Sind der Gesundheitsschutz und die politische Fürsorgepflicht für Erzieher*innen weniger notwendig als für andere Beschäftigte?

Wir arbeiten gerne in unserem Job und uns ist klar, dass wir berufsbedingt und derzeit im Besonderen einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Aber wir erwarten, dass Sie als politische Verantwortliche Ihrer Verantwortung uns gegenüber gerecht werden, dass es klare Regelungen zu unserem Schutz gibt und dem Schutz der Kinder, die wir betreuen!

Im Namen des e+s Fachgruppenleitungsteams gez. Nina Hauenstein
(Erzieherin und Kitaleitung)

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