… und noch eine Prämie

Die Meldung aus dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus vom 27.10.2020 „Coronabonus für Schulleiter und Lehrkräfte“ lässt für uns als Verband, der für die Interessen der Mitarbeitenden im vorschulischen und im Hortbereich eintritt, nur zwei Fragen zu:

  • Wird die Leistung der Kolleginnen und Kollegen, die gerade jetzt tagtäglich in vollen Gruppen im engen Kontakt mit 25 Kindern (viele davon mit Erkältungssymptomen) ihre Gesundheit riskieren, überhaupt gesehen?
  • Ist die Arbeit der Leitungen in den Einrichtungen, die ständig die neuen Richtlinien zu Corona im Balanceakt zwischen Träger, Eltern, Team und Kindeswohl umsetzen müssen, keine Würdigung wert?

Es stellt sich die Frage, ist Politik wirklich auf einem „Guten Weg“ eine Solidargemeinschaft zu stützen, wenn sie versucht, Belastungen durch irgendwelche Prämien oder Boni auszugleichen. Klar ist, wenn solche Boni als Wertschätzung verteilt werden, gilt es als Geringschätzung, wenn man als Berufsgruppe nicht miteinbezogen wird. Aber wir wollen kein Zuckerl, sondern wir erwarten von Politik und Gesellschaft ein verlässliches Miteinander, und wir wollen uns nicht als Opfer erleben – geopfert auf der Prämisse, unter allen Umständen die Kinderbetreuung am Laufen zu halten, damit die Wirtschaft keinen Schaden davonträgt. Die Kollegen und Kolleginnen wollen keine Neiddebatten über mögliche Corona-Prämien und Boni. Sie möchten verlässliche Regeln von der Politik, die nicht je nach Inzidenzwert angepasst werden oder sogar eine medizinische Einschätzung der Erzieherin voraussetzt, die des Gesundheitszustands des Kindes zu bewerten. Der Inzidenzwert ist keine Maßgabe für den Gesundheitsschutz in den Einrichtungen. Im Gegensatz zum Frühjahr erleben die Kolleginnen und Kollegen die Gefahr viel näher und die Angst steigt.

Seit dieser Woche mit den neuen Rahmenregeln zum Hygieneplan wird es erschwert, kranke Kinder nach Hause zu schicken. Getroffene Aussagen im Leitfaden für Erkältungskrankheiten des LGL werden vom ÖGA außer Kraft gesetzt und somit eine sichere Grundlage für die Entscheidung, kranke Kinder von der Betreuung auszuschließen, genommen. Erzieherinnen und Erzieher sehen natürlich auch die Nöte der berufstätigen Eltern. Sie sind ja die Instanz, die „Ja“ oder „Nein“ zur Betreuung sagen muss und auch den Groll der Eltern als Erstes zu spüren bekommt. Öl ins Feuer kippen dann noch Kinderärzte, die einen PCR-Test verweigern oder sich gar weigern, wegen einem Schnupfen eine Krankschreibung auszustellen. Ausbaden muss diese Misere der Arbeitnehmer!

Dies führt zur Empörung der Mitarbeitenden im vorschulischen Bereich. Dass es keine umfassende Sicherheit in Bezug auf gesundheitliche Unversehrtheit in den Pandemiezeiten geben kann, ist zwar jedem klar. Aber wir erwarten von der Politik klare Statements und Appelle an die Gemeinschaft, dass Kinder mit Krankheitssymptomen nichts in Kindergarten, Krippe oder Hort zu suchen haben – nicht nur zum Schutz der Mitarbeitenden vor Ort, sondern auch zum Schutz des Gesamtsystems der Kinderbetreuung. Jede geschlossene Gruppe oder Einrichtung bedeutet nämlich, dass Eltern ihren Berufen nicht nachgehen können.

Daher nochmals der Appell unseres Verbandes:
Schaffen Sie verlässliche Mindeststandards zum Gesundheitsschutz in den Einrichtungen! Schaffen Sie die Widersprüche ab, dass Gebiete zu „Roten“ Risikogebieten erklärt werde aber die Kindertagesstätten erzählt bekommen, dieses „Rot“ sei im vorschulischen Bereich „Gelb“, womit die beschlossenen Sicherheitsstandards für „Rot“ nicht gelten würden. Die Kolleginnen und Kollegen fühlen sich hier in ihrer Kompetenz der Farbenlehre nicht ernst genommen. Ziel muss es sein, diese Pandemie als Gesamtgesellschaft mit möglichst wenig Schaden an Gesundheit und Wohlstand zu überstehen. Unser Anspruch sind keine Prämien oder Boni, sondern bestmögliche, risikoarme Arbeitsbedingungen! Ziel muss es sein, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung diese Krise zu überstehen! Dazu muss eine Solidargemeinschaft, insbesondere verantwortliche Politiker, das Gespür entwickeln, wo es moralische Unterstützung braucht und öffentliche, ernstgemeinte Wertschätzung. Das könnte im Schlussakkord ein Wertschätzungsboni sein. Fördern und fordern Sie Solidarität und geben Sie uns und den Lehrern den bestmöglichen Schutz, so dass wir unsere Arbeit gesund verrichten können. Das wäre glaubhafte Wertschätzung und Anerkennung der hervorragenden Leistungen in diesen Bereichen.

Der vkm-bayern und seine Fachgruppe e+s schließt die ca. 120.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Berufsgruppen im Bereich der Evang.-Luth. Kirche in Bayern und ihrer Diakonie mit Ausnahme der Geistlichen zusammen. Im Bewusstsein der Verantwortung kirchlichen Dienstes fördert und vertritt er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzeln oder gemeinsam in den Anliegen, die ihre Dienstverhältnisse betreffen.
e+s Fachgruppe im vkm Bayern

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